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Griechische Göttin der Kunst: Athene, die Musen und wer sonst zuständig war

Wer nach der griechischen Göttin der Kunst sucht, stößt auf zwei Antworten, Athene und die Musen. Die Mythologie ist da nicht ungenau, die Griechen haben Kunst schlicht anders eingeteilt als wir. Wer einen Marmorblock bearbeitete, rief eine andere Gottheit an als jemand, der ein Lied dichtete.

Griechische Göttin der Kunst: die kurze Antwort

Die griechische Göttin der Kunst ist Athene, wenn es um Handwerk und bildende Kunst geht, und die neun Musen sind es, wenn Dichtung, Musik, Tanz und Theater gemeint sind. Eine einzige Göttin für alle Künste kannten die Griechen nicht.

Im Kreuzworträtsel ist die gesuchte Lösung meistens MUSE mit vier Buchstaben oder ATHENE mit sechs, gelegentlich auch die Schreibweise ATHENA. Wird nach der römischen Entsprechung gefragt, lautet die Lösung MINERVA.

Athene: Schutzherrin von Handwerk, Weberei und Töpferei

Athene ist vor allem als Göttin der Weisheit und der klugen Kriegsführung bekannt, in ihrer eigenen Stadt verehrten die Athener sie aber mindestens ebenso als Patronin der Handwerker. Unter dem Beinamen Athena Ergane, die Werktätige, galt sie als Erfinderin von Webstuhl und Pflug.

Am engsten war ihre Verbindung zur Weberei. Bei den Panathenäen, dem großen Fest der Stadt, brachten die Athener ihr einen neu gewebten Peplos dar, ein Gewand, an dem ausgewählte Frauen und Mädchen monatelang arbeiteten. Auch die Töpfer im Viertel Kerameikos, dessen Name in unserem Wort Keramik steckt, sahen sich unter ihrem Schutz.

Wie ernst Athene das Handwerk nahm, zeigt der Mythos von Arachne, den vor allem der römische Dichter Ovid in seinen Metamorphosen überliefert. Die junge Weberin Arachne behauptete, besser zu weben als die Göttin, und forderte sie zum Wettstreit heraus. Ihr Teppich war tatsächlich makellos, zeigte aber die Verfehlungen der Götter. Athene zerriss ihn und verwandelte Arachne in eine Spinne, die seither ewig weiter webt. Meist wird die Geschichte als Warnung vor Hochmut gelesen. Man kann sie auch anders verstehen, nämlich als Erzählung von einer Göttin, die ein handwerklich perfektes Werk nicht ertrug, weil ihr der Inhalt missfiel. Der zoologische Name der Spinnentiere, Arachnida, erinnert bis heute an die Weberin.

Was von dieser Verehrung übrig ist, sieht man am besten auf der Akropolis. Der Parthenon wurde zwischen 447 und 432 v. Chr. für Athene gebaut. In seinem Inneren stand die Athena Parthenos des Bildhauers Phidias, eine rund zwölf Meter hohe Statue aus Gold und Elfenbein, die nicht erhalten ist. Athenes Eule ist heute auf der griechischen Ein-Euro-Münze zu sehen.

Die neun Musen und ihre Künste

Die Musen sind neun Göttinnen, die nach griechischem Glauben Dichter, Sänger und Gelehrte inspirierten. Nach der Theogonie des Hesiod, entstanden um 700 v. Chr., sind sie Töchter des Zeus und der Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Die Abstammung ergibt Sinn. In einer Kultur, in der Epen mündlich vorgetragen wurden, war Erinnerung die Grundlage jeder Dichtkunst.

Die feste Zuordnung zu einzelnen Künsten ist jünger als Hesiod und setzte sich erst in hellenistischer und römischer Zeit durch. In der heute üblichen Fassung sieht sie so aus:

  • Kalliope, epische Dichtung, mit Schreibtafel und Griffel. Sie galt als die vornehmste der neun.
  • Klio, Geschichtsschreibung, mit Schriftrolle.
  • Erato, Liebesdichtung, mit Leier.
  • Euterpe, Lyrik und Flötenspiel, mit dem Aulos, einer Doppelflöte.
  • Melpomene, Tragödie, mit tragischer Maske.
  • Thalia, Komödie, mit komischer Maske.
  • Polyhymnia, Hymnen und feierlicher Gesang, oft verhüllt und nachdenklich dargestellt.
  • Terpsichore, Tanz, mit Leier.
  • Urania, Astronomie, mit Himmelsglobus.

Auffällig ist, wer in dieser Liste fehlt. Für Malerei, Bildhauerei und Architektur gibt es keine Muse. Dafür sind Geschichtsschreibung und Sternkunde vertreten, Fächer, die wir heute zur Wissenschaft rechnen. Die Musen waren für Sprache, Klang, Bewegung und Wissen zuständig. Was mit den Händen hergestellt wurde, gehörte nicht in ihr Reich.

Leicht verwechselt werden die Musen mit den Chariten, den Göttinnen der Anmut, die die Römer Grazien nannten. Es sind drei, Aglaia, Euphrosyne und Thalia, wobei diese Thalia nichts mit der gleichnamigen Muse der Komödie zu tun hat. Die Chariten stehen für Schönheit, Freude und festliche Stimmung, nicht für eine bestimmte Kunst. Als Motiv waren sie trotzdem enorm beliebt, Botticelli malte sie in seinem „Primavera“, Antonio Canova schuf um 1815 eine berühmte Marmorgruppe.

Apollon und Hephaistos: die männliche Seite

Auch bei den männlichen Göttern verläuft die Grenze zwischen Handwerk und musischer Kunst, und zwar ziemlich genau zwischen Apollon und Hephaistos.

Apollon trägt den Beinamen Musagetes, Anführer der Musen. Er spielt die Kithara, eine große Leier, und führt in vielen Darstellungen den Reigen der neun an. Seine Heiligtümer, allen voran Delphi und der Berg Parnass, galten als Orte der Inspiration. Mit dem Handwerk hatte Apollon wenig zu tun.

Das übernahm Hephaistos, der Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Er fertigte in der Mythologie die Rüstung des Achill, den Thron des Zeus und sogar Pandora, die erste Frau. In Athen wurden er und Athene gemeinsam verehrt. Ihr Tempel über der Agora, das Hephaisteion, enthielt Statuen beider Gottheiten und gehört zu den am besten erhaltenen griechischen Tempeln überhaupt. Rund um den Bau lagen die Werkstätten der Metallarbeiter und Töpfer.

Woran man Athene und die Musen auf Bildern erkennt

In Museen begegnet man Athene und den Musen ständig, auf Vasen, Reliefs, Gemälden und Statuen. Erkennen lassen sie sich fast immer an ihren Attributen, weil die Künstler über Jahrhunderte bei denselben Zeichen blieben.

Athene trägt in der Regel einen Helm, oft hoch auf die Stirn geschoben, dazu Lanze und Rundschild. Auf der Brust liegt die Aigis, ein Schuppenpanzer oder Ziegenfell mit dem Kopf der Medusa in der Mitte. Häufig sitzt eine Eule in ihrer Nähe, manchmal steht ein Ölbaum im Hintergrund, ihr Geschenk an die Stadt Athen. Eine Frau in Rüstung ohne diese Zeichen ist meistens jemand anderes, etwa eine allegorische Figur.

Bei den Musen hilft die Gruppe. Neun Frauen, oft um einen Mann mit Leier versammelt, sind fast sicher die Musen mit Apollon. Einzeln erkennt man sie an den Gegenständen aus der Liste oben, die Maske für das Theater, die Schriftrolle für die Geschichte, den Globus für die Sternkunde. Ältere Darstellungen halten sich daran allerdings nicht immer streng, auf antiken Sarkophagen sind die Zuordnungen manchmal vertauscht oder fehlen ganz.

Was die Griechen unter Kunst verstanden

Warum es keine einzelne Göttin der Kunst gibt, verrät schon die Sprache. Die Griechen hatten zwei Begriffe für das, was wir heute unter Kunst zusammenfassen.

Téchne bezeichnete jede Fertigkeit, die man nach Regeln erlernen kann. Dazu gehörten Schreinerei und Schiffbau ebenso wie Medizin, Bildhauerei und Vasenmalerei. Wer eine téchne beherrschte, war ein Fachmann, aber kein Genie. Bildhauer und Maler galten als Handwerker, selbst Phidias, und ihr gesellschaftliches Ansehen lag deutlich unter dem eines Dichters.

Mousiké hingegen meinte die Künste der Musen, also die Einheit aus Dichtung, Gesang, Instrumentalspiel und Tanz. Ein Lied, ein Epos oder ein Chor im Theater galt als göttlich inspiriert. Ein Dichter rief zu Beginn seines Werkes die Muse an, wie Homer in den ersten Versen der Ilias und der Odyssee. Ein Bildhauer tat das nicht.

Heute wirkt diese Rangfolge fast verkehrt herum, weil wir seit der Renaissance gerade Malerei und Skulptur als freie Kunst schlechthin ansehen. Für einen Athener im 5. Jahrhundert v. Chr. war die Statue im Tempel eine meisterhafte Arbeit, das Gedicht dagegen ein Geschenk der Götter.

Was von den Göttinnen der Kunst geblieben ist

Ganz verschwunden sind Athene und die Musen nie. Man begegnet ihnen in Wörtern und auf Logos, oft ohne es zu merken.

Das Wort Museum geht auf das Mouseion in Alexandria zurück, ein den Musen geweihtes Forschungszentrum, das die Ptolemäer um 280 v. Chr. gründeten und zu dem die berühmte Bibliothek gehörte. Musik leitet sich von mousiké ab. Wer heute von einer Muse spricht, meint einen Menschen, der einen Künstler inspiriert, und wer vom Musenkuss spricht, meint einen plötzlichen Einfall.

In der Malerei haben die Musen eine lange zweite Karriere hinter sich. Raffael malte um 1510 im Vatikan sein Fresko „Der Parnass“, auf dem Apollon unter Lorbeerbäumen eine Lira da braccio spielt, eine Vorläuferin der Geige, umringt von den neun Musen und Dichtern von Homer bis Dante. Seither tauchen sie auf Theatervorhängen, Opernhausfassaden und Deckengemälden auf, überall dort, wo sich eine Stadt als Ort der Künste zeigen wollte.

Athene lebt vor allem in ihrer römischen Gestalt weiter. Die Römer setzten sie mit Minerva gleich, die ebenfalls für Handwerk und Weisheit stand und deren Hauptfest, die Quinquatrus, besonders von Handwerkern, Lehrern und Ärzten gefeiert wurde. Den Kopf der Minerva trägt heute die Max-Planck-Gesellschaft im Logo, und auf Siegeln von Universitäten und Bibliotheken taucht ihre Eule bis heute auf.

Häufige Fragen zur griechischen Göttin der Kunst

Welche griechische Göttin der Kunst hat 4 Buchstaben? Die Lösung mit vier Buchstaben ist MUSE. Die neun Musen waren in der griechischen Mythologie für Dichtung, Musik, Tanz, Theater, Geschichtsschreibung und Astronomie zuständig. Mit sechs Buchstaben passt ATHENE, die Schutzgöttin des Handwerks.

Wie heißen die neun Musen? Die neun Musen heißen Kalliope, Klio, Erato, Euterpe, Melpomene, Thalia, Polyhymnia, Terpsichore und Urania. Sie gelten als Töchter des Zeus und der Mnemosyne. Ihre feste Zuordnung zu einzelnen Künsten entstand erst in hellenistischer und römischer Zeit.

Wie heißen die 12 Götter von Griechenland? Zu den zwölf olympischen Göttern zählen Zeus, Hera, Poseidon, Demeter, Athene, Apollon, Artemis, Ares, Aphrodite, Hephaistos und Hermes. Den zwölften Platz nimmt je nach Quelle Hestia oder Dionysos ein. Die Musen gehören nicht zu den Zwölf, sie stehen eine Stufe darunter.

Was ist das römische Pendant zu Athene? Die römische Entsprechung zu Athene ist Minerva. Sie war wie Athene Göttin der Weisheit und des Handwerks und bildete zusammen mit Jupiter und Juno die Kapitolinische Trias, die wichtigste Götterdreiheit Roms.