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Maler des Expressionismus: die wichtigsten Köpfe zwischen Brücke und Blauem Reiter

Die Maler des Expressionismus wollten zwischen etwa 1905 und 1925 nicht mehr abbilden, was sie sahen, sondern was sie dabei empfanden. Heraus kamen grüne Gesichter, blaue Pferde und Straßen, die zu kippen scheinen. Hier geht es um die wichtigsten Köpfe, um den Unterschied zwischen Brücke und Blauem Reiter und um die Malerinnen, die in vielen Darstellungen bis heute fehlen.

Was die Maler des Expressionismus verbindet

Die Maler des Expressionismus verbindet die Überzeugung, dass ein Bild ein inneres Erleben ausdrücken soll und dafür Farbe und Form verzerren darf. Expression heißt Ausdruck. Damit ist auch schon die Gegenrichtung zum Impressionismus benannt, der einen Eindruck von außen aufnahm.

Typisch sind Farben, die nicht der Natur folgen, harte Konturen, vereinfachte und oft kantige Formen und eine Perspektive, die bewusst schief sitzt. Fast alle Brücke-Maler arbeiteten außerdem mit dem Holzschnitt, dessen grobe Flächen und splittrige Kanten wie gemacht für dieses Programm waren.

Als Wegbereiter gelten vier Maler, die selbst noch keine Expressionisten waren. Vincent van Gogh setzte Farbe als Gefühlsträger ein, Paul Gauguin vereinfachte Formen zu flächigen Feldern. Edvard Munch malte mit „Der Schrei“ 1893 so etwas wie das Urbild der Angst, und der Belgier James Ensor bevölkerte seine Leinwände mit grellen Masken. Das Wort selbst tauchte 1911 in Berlin auf, kurioserweise zuerst für junge französische Maler. Erst Herwarth Walden und seine Zeitschrift Der Sturm übertrugen es auf die Deutschen, bei denen es dann hängen blieb.

Die Brücke in Dresden und Berlin

Die erste Gruppe deutscher Expressionisten war die Brücke, 1905 in Dresden von vier Architekturstudenten gegründet: Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl. Eine Kunstakademie hatte keiner von ihnen besucht, und aus diesem Mangel machten sie ein Programm.

Die Brücke-Maler arbeiteten oft gemeinsam, teilten Ateliers und malten im Sommer an den Moritzburger Teichen bei Dresden Akte im Freien, in schnellen Skizzen und kräftigen, ungemischten Farben. Max Pechstein stieß 1906 dazu, Emil Nolde war kurz Mitglied, 1910 kam Otto Mueller mit seinen blassen, schlanken Figuren in Landschaften hinzu.

Ernst Ludwig Kirchner (1880 bis 1938) ist der bekannteste Kopf der Gruppe. Nach dem Umzug nach Berlin 1911 malte er die Straßenszenen, die heute sein Werk prägen, Kokotten und Passanten am Potsdamer Platz, spitz, hektisch, mit verzerrten Gesichtern. Selten hat jemand die Nervosität der Großstadt so direkt in Malerei übersetzt. Karl Schmidt-Rottluff arbeitete mit den grellsten Kontrasten der Gruppe, Erich Heckel mit melancholischen, oft eckigen Figuren.

Emil Nolde ging eigene Wege. Seine Blumen- und Meeresbilder in glühendem Rot und Violett wirken fast wie Aquarelle in Öl, seine religiösen Szenen mit maskenhaften Gesichtern lösten Proteste der Kirchen aus. 1913 zerfiel die Brücke, nachdem Kirchner eine Chronik der Gruppe verfasst hatte, in der sich die anderen falsch dargestellt sahen.

Der Blaue Reiter in München

Der Blaue Reiter war keine Künstlergruppe mit festen Mitgliedern wie die Brücke, sondern eine Redaktionsgemeinschaft um Wassily Kandinsky und Franz Marc. Ihr Almanach erschien 1912, die erste Ausstellung fand im Dezember 1911 in München statt.

Wo die Brücke das Leben in Großstadt und Natur roh und körperlich zeigte, suchte der Blaue Reiter das Geistige. Farben bekamen eine Bedeutung, die über die Stimmung hinausging. Für Marc stand Blau für das Männliche und Geistige, Gelb für das Weibliche und Sanfte.

Wassily Kandinsky (1866 bis 1944) zog daraus die radikalste Konsequenz. Um 1910 löste er sich vom Gegenstand und malte Bilder, die nichts mehr abbilden, die Theorie dazu lieferte er mit seiner Schrift „Über das Geistige in der Kunst“. Ohne Kandinsky hätte die abstrakte Malerei einen anderen Anfang genommen.

Franz Marc (1880 bis 1916) malte Tiere, weil er sie für reiner hielt als Menschen, darunter blaue Pferde, gelbe Kühe und rote Rehe. Sein „Turm der blauen Pferde“ gilt seit 1945 als verschollen. August Macke (1887 bis 1914) war der Heiterste im Kreis. Seine Spaziergänger am See und die Aquarelle von der Tunisreise 1914, die er mit Paul Klee und Louis Moilliet unternahm, leuchten ohne jede Bedrohlichkeit. Zum Kreis gehörten auch Alexej von Jawlensky mit seinen Köpfen in breiten Farbbahnen und Paul Klee, dem die Farbe erst auf ebendieser Tunisreise wirklich aufging.

Malerinnen des Expressionismus

In älteren Überblicken zum Expressionismus kommen fast nur Männer vor. Das sagt mehr über die Kunstgeschichtsschreibung als über die Bewegung, denn mindestens drei Malerinnen haben sie entscheidend mitgeprägt.

Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) aus der Künstlerkolonie Worpswede steht am Anfang. Sie vereinfachte Figuren zu großen, ruhigen Formen und malte 1906 ein Selbstbildnis als Akt, das als erstes seiner Art von einer Malerin gilt. Sie starb mit 31 Jahren kurz nach der Geburt ihrer Tochter, ihr Werk wirkte erst nach ihrem Tod. Streng genommen war sie eine Vorläuferin. Den deutschen Expressionismus ohne sie zu erzählen, wäre trotzdem unvollständig.

Gabriele Münter (1877 bis 1962) war Mitbegründerin des Blauen Reiters und lange Lebensgefährtin Kandinskys. In ihrem Haus in Murnau entstanden Landschaften mit dunklen Konturen und flächigen Farben, angeregt von der bayerischen Hinterglasmalerei. Während der NS-Zeit versteckte sie Bilder von Kandinsky und anderen im Keller und schenkte sie 1957 der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Dass München heute die bedeutendste Sammlung des Blauen Reiters besitzt, verdankt die Stadt im Kern ihr.

Marianne von Werefkin (1860 bis 1938) war schon eine ausgebildete Malerin, als die Jüngeren noch studierten. Ihre Bilder mit unheimlich leuchtenden Abendhimmeln und kleinen, verlorenen Figuren gehören zum Stärksten, was im Umfeld des Blauen Reiters entstand.

Expressionismus in Wien und darüber hinaus

Parallel zu Dresden, Berlin und München entstand in Wien eine eigene Spielart, die sich stärker für Körper und Psyche interessierte als für Farbe.

Egon Schiele (1890 bis 1918) zeichnete Körper ausgemergelt, verdreht und schonungslos nackt, auch den eigenen. Er stammte aus dem Umfeld von Gustav Klimt, ließ dessen Ornamentik aber bald hinter sich. Schiele starb mit 28 Jahren an der Spanischen Grippe. Oskar Kokoschka (1886 bis 1980) malte Porträts, die eher Seelenzustände zeigen als Gesichter, und mit „Die Windsbraut“ ein Bild seiner Beziehung zu Alma Mahler.

Ein Sonderfall ist Max Beckmann (1884 bis 1950). Vor dem Ersten Weltkrieg malte er noch impressionistisch, danach entstanden Bilder wie „Die Nacht“ mit gequälten Figuren in engen Räumen. Einer Gruppe schloss er sich nie an, und vielleicht ist er gerade deshalb der eigenständigste Maler, der aus diesem Umfeld hervorging.

Schlüsselwerke der Maler des Expressionismus

Wer sich einen schnellen Eindruck verschaffen will, kommt mit einer Handvoll Bilder weit. Die folgenden Werke zeigen die Spannweite der Bewegung, von der Großstadtnervosität bis zur Abstraktion, und die meisten lassen sich in deutschsprachigen Museen im Original sehen.

  • Edvard Munch, „Der Schrei“, 1893. Der Vorläufer schlechthin, eine Figur auf einer Brücke vor einem blutroten Himmel. Mehrere Fassungen liegen in Oslo.
  • Paula Modersohn-Becker, „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“, 1906. Die Malerin halbnackt, die Hand auf dem Bauch, im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen.
  • Gabriele Münter, „Bildnis Marianne von Werefkin“, 1909. Die Kollegin mit riesigem Blumenhut vor gelbem Grund, im Lenbachhaus München.
  • Franz Marc, „Blaues Pferd I“, 1911. Ein junges Pferd in leuchtendem Blau vor bunten Hügeln, ebenfalls im Lenbachhaus.
  • Egon Schiele, „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“, 1912. Ein schmales, schräg gestelltes Gesicht neben roten Fruchtkapseln, im Leopold Museum in Wien.
  • Wassily Kandinsky, „Komposition VII“, 1913. Ein Wirbel aus Farbfeldern ohne erkennbaren Gegenstand, heute in der Tretjakow-Galerie in Moskau.
  • Oskar Kokoschka, „Die Windsbraut“, 1913/14. Der Maler und Alma Mahler in einer Art Schiffsschale aus Pinselstrichen, im Kunstmuseum Basel.
  • Ernst Ludwig Kirchner, „Potsdamer Platz“, 1914. Zwei Frauen auf einer Verkehrsinsel, um sie herum kippt die Stadt, in der Neuen Nationalgalerie Berlin.

Auffällig ist, wie dicht diese Bilder zeitlich beieinanderliegen. Fast alle entstanden in den acht Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, und an der Auswahl liegt das nicht. Der Krieg hat diese Phase beendet.

Krieg, Verfemung und Wiederentdeckung

Mit dem Ersten Weltkrieg war die frühe Phase des Expressionismus schlagartig vorbei. August Macke fiel im September 1914 in der Champagne, Franz Marc im März 1916 vor Verdun. Kirchner brach nach kurzer Militärzeit psychisch zusammen und zog nach Davos.

Zwanzig Jahre später trafen die Nationalsozialisten die Bewegung noch einmal. 1937 beschlagnahmten sie in der Aktion „Entartete Kunst“ mehr als 20.000 Werke aus deutschen Museen, allein von Kirchner mehr als 600, dazu Hunderte Arbeiten von Nolde, Heckel und Schmidt-Rottluff. Die gleichnamige Schmähausstellung in München zeigte sie dicht gehängt und mit höhnischen Parolen beschriftet. Kirchner nahm sich 1938 in Davos das Leben.

Bitter ist der Fall Nolde. Er war Mitglied der NSDAP und hoffte bis zuletzt auf Anerkennung durch das Regime, wurde aber trotzdem als entartet eingestuft und erhielt 1941 Malverbot. Nach dem Krieg stilisierte er sich als Opfer, erst neuere Forschung und eine große Ausstellung in Berlin 2019 haben dieses Bild korrigiert.

Nach 1945 kehrte der Expressionismus schnell in die Museen zurück. Schmidt-Rottluff schenkte dem Land Berlin einen Grundstock seiner Werke, aus dem 1967 das Brücke-Museum entstand, das Haus, in dem man die Gruppe heute am besten kennenlernt.

Häufige Fragen zu den Malern des Expressionismus

Wer sind die berühmtesten expressionistischen Künstler? Zu den bekanntesten Malern des Expressionismus gehören Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff von der Brücke sowie Wassily Kandinsky, Franz Marc und August Macke vom Blauen Reiter. Außerhalb Deutschlands zählen Egon Schiele und Oskar Kokoschka aus Wien dazu, als Vorläufer Edvard Munch und Vincent van Gogh.

Was ist der Unterschied zwischen Fauvismus und Expressionismus? Der Fauvismus entstand 1905 in Paris um Henri Matisse und André Derain und arbeitete wie der Expressionismus mit reinen, kräftigen Farben. Die Fauves blieben dabei dekorativer und lebensfroher. Die deutschen Expressionisten nutzten Farbe und Verzerrung stärker, um Angst, Spannung und innere Zerrissenheit auszudrücken.

Woher kommt der Begriff Expressionismus? Der Begriff leitet sich vom lateinischen expressio ab, Ausdruck. In der Kunst wurde er 1911 in Berlin zuerst für französische Maler verwendet und danach vor allem durch Herwarth Waldens Zeitschrift Der Sturm auf die deutsche Avantgarde übertragen.

Wo kann man Bilder des Expressionismus in Deutschland sehen? Die wichtigsten Sammlungen besitzen das Brücke-Museum in Berlin, das Lenbachhaus in München mit dem Blauen Reiter, das Buchheim Museum am Starnberger See und das Franz Marc Museum in Kochel am See. Werke von Nolde zeigt die Nolde Stiftung in Seebüll, Paula Modersohn-Becker ein eigenes Museum in Bremen.