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Was ist Impressionismus? Licht, Farbe und ein Skandal in Paris

Was ist Impressionismus? Eine Malweise, die um 1870 in Frankreich aufkam und den flüchtigen Eindruck wichtiger nahm als die genaue Abbildung. Licht, Wetter und Bewegung zählten mehr als Kontur und Detail, und genau das brachte die Kunstkritik von Paris gegen die jungen Maler auf. Hier geht es darum, wie es dazu kam, wer die Bilder malte und woran man sie heute im Museum erkennt.

Was ist Impressionismus und woher kommt der Name?

Der Impressionismus ist eine Stilrichtung der Malerei, die das Licht eines bestimmten Augenblicks festhalten will und dafür auf scharfe Umrisse und glatte Oberflächen verzichtet. Das Wort geht auf das lateinische impressio und das französische impression zurück, also Eindruck.

Ausgedacht haben sich die Maler den Namen nicht. Im April 1874 stellte eine Gruppe junger Künstler in den früheren Atelierräumen des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines aus, weil der offizielle Salon sie immer wieder abgewiesen hatte. Unter den Bildern hing ein Hafenblick, den Claude Monet 1872 in Le Havre gemalt hatte, mit einer orangefarbenen Sonne über graublauem Dunst und ein paar Booten, die nur als dunkle Flecken auftauchen. Monet nannte es „Impression, soleil levant“.

Louis Leroy, Kritiker der Satirezeitschrift Le Charivari, machte daraus die Überschrift „Die Ausstellung der Impressionisten“. Das war als Spott gemeint, er ließ eine seiner Figuren sogar behaupten, eine Tapete im Rohzustand sei fertiger als dieses Seestück. Unfreiwillig hat Leroy damit eines der haltbarsten Etiketten der Kunstgeschichte geliefert. Die Maler übernahmen es, spätestens 1877 stand es im Titel ihrer dritten Gruppenausstellung. Bis 1886 folgten insgesamt acht solcher Schauen.

Warum der Impressionismus gerade um 1870 entstand

Dass der Impressionismus in diesen Jahren und in dieser Stadt aufkam, hat handfeste Gründe. Paris war um 1870 der Ort, an dem eine starre Kunstverwaltung auf eine Reihe technischer Neuerungen traf.

Da war zunächst der Salon. Die jährliche Ausstellung der Akademie entschied über Karrieren, und ihre Jury bevorzugte Historienbilder, Mythologie und glatt vollendete Oberflächen. 1863 lehnte sie so viele Arbeiten ab, dass Napoleon III. einen „Salon des Refusés“ erlaubte, eine Schau der Zurückgewiesenen. Dort hing Édouard Manets „Frühstück im Grünen“, und das Publikum lachte und schimpfte vor dem Bild.

Gleichzeitig änderte sich das Handwerk. Seit den 1840er-Jahren gab es Ölfarbe in verschließbaren Metalltuben, vorher mussten Maler ihre Pigmente selbst anreiben und in Schweinsblasen aufbewahren. Mit der Tube ließ sich die Staffelei an jedes Flussufer tragen. Synthetisch hergestellte Pigmente wie Ultramarin, Kobaltblau und Chromgelb machten kräftige, reine Töne obendrein bezahlbar.

Die Eisenbahn brachte die Pariser in einer knappen Stunde an die Seine bei Argenteuil oder Bougival, wo Ausflugslokale, Ruderboote und Badestellen warteten. Und die Fotografie nahm der Malerei eine Aufgabe ab. Seit es Kameras gab, musste ein Bild nicht mehr beweisen, dass es die Wirklichkeit exakt wiedergeben kann. Es durfte sich um Farbe, Stimmung und den Moment kümmern. Wer dazu noch die neuen Boulevards, Bahnhöfe und Cafés aus Baron Haussmanns Stadtumbau nimmt, hat ein Motivangebot, mit dem die akademische Malweise wenig anfangen konnte.

Merkmale des Impressionismus: Licht, Pinselstrich, Ausschnitt

Ein impressionistisches Bild beschreibt nicht Gegenstände, sondern die Wirkung von Licht auf diese Gegenstände. Fast alles Weitere ergibt sich daraus.

  • Malen im Freien. Viele Bilder entstanden en plein air, also draußen vor dem Motiv. Weil sich das Licht ständig ändert, musste schnell gearbeitet werden.
  • Sichtbarer Pinselstrich. Kurze, oft kommaartige Striche liegen nebeneinander. Aus der Nähe sieht man Farbflecken, aus einigen Metern Abstand ein Feld oder eine Menschenmenge.
  • Optische Farbmischung. Statt Farben auf der Palette zu Braun zu verrühren, setzten die Maler reine Töne nebeneinander und überließen die Mischung dem Auge.
  • Farbige Schatten. Schatten sind blau oder violett. Schwarz verschwand bei Monet fast ganz von der Palette.
  • Alltägliche Motive. Bahnhöfe, Tanzlokale, Gärten, Frauen beim Frühstück, Ballettproben. Götter und Schlachten kommen kaum vor.
  • Angeschnittene Ausschnitte. Figuren werden vom Bildrand gekappt, als hätte jemand im Vorbeigehen hingesehen. Darin steckt der Einfluss japanischer Farbholzschnitte, die nach der Weltausstellung 1867 in Paris in Mode kamen.

Am weitesten trieb Monet das Prinzip. In seinen Serien zu Heuschobern und zur Kathedrale von Rouen malte er dasselbe Motiv zu verschiedenen Tageszeiten immer wieder, bis klar war, worum es ihm eigentlich ging. Das Gebäude ist in diesen Bildern fast Nebensache, das Thema ist das Licht, das darauf fällt.

Die wichtigsten Maler und Malerinnen

Den Kern bildeten rund ein Dutzend Künstler, die sich in Pariser Lokalen wie dem Café Guerbois trafen und gemeinsam ausstellten.

Claude Monet (1840 bis 1926) gilt als der konsequenteste Vertreter. Ab 1883 lebte er in Giverny und malte dort über Jahrzehnte seinen Seerosenteich. Pierre-Auguste Renoir (1841 bis 1919) interessierte sich mehr für Menschen als für Landschaft, sein „Bal du moulin de la Galette“ zeigt ein Tanzlokal auf dem Montmartre, in dem Sonnenflecken durch das Laub auf Kleider und Gesichter fallen. Camille Pissarro war der Älteste der Gruppe und der Einzige, der bei allen acht Ausstellungen dabei war. Alfred Sisley blieb fast ausschließlich bei der Landschaft.

Mit Edgar Degas wird es kompliziert. Er malte kaum im Freien, konnte den Begriff Impressionist nicht leiden und saß lieber im Atelier über Tänzerinnen, Wäscherinnen und Pferderennen. Was ihn mit den anderen verband, war der Blick auf das moderne Leben und die Lust an schrägen Bildausschnitten.

Gern übersehen wird, dass zwei Frauen von Anfang an dazugehörten. Berthe Morisot stellte schon 1874 aus und war bei sieben der acht Ausstellungen vertreten. Ihre häuslichen Szenen malte sie mit so lockerer Hand, dass Kritiker sie für unfertig hielten. Die Amerikanerin Mary Cassatt kam auf Einladung von Degas dazu und zeigte ab 1879 mit der Gruppe. Ihre Bilder von Müttern und Kindern zählen heute zu den bekanntesten der Bewegung.

Édouard Manet ist ein Sonderfall. Für die Jüngeren war er Vorbild und Bezugspunkt, bei ihren Gruppenausstellungen hing aber nie ein Bild von ihm. Manet wollte bis zuletzt im offiziellen Salon ankommen.

Wie die Impressionisten zu Geld kamen

Ohne einen Kunsthändler wäre der Impressionismus vermutlich eine Pariser Randerscheinung geblieben. Paul Durand-Ruel kaufte schon Anfang der 1870er-Jahre Bilder von Monet und Pissarro, als sie sonst kaum jemand haben wollte, und zahlte einigen Malern über Jahre feste Summen gegen ihre Produktion.

Gedankt hat es ihm der französische Markt lange nicht. Durand-Ruel stand mehrmals kurz vor dem Ruin, bis er 1886 in New York eine große Ausstellung mit rund 300 impressionistischen Werken zeigte. Amerikanische Sammler griffen zu, und erst über diesen Umweg wurden die Bilder auch in Frankreich teuer. Dass heute so viele Hauptwerke in Museen in Boston, Chicago oder Washington hängen, geht auf diese Jahre zurück.

Monet selbst erlebte den Umschwung noch. Der Maler, der in den 1870er-Jahren Freunde um Geld für die Miete bitten musste, kaufte 1890 das Haus in Giverny und ließ sich einen Teich mit Seerosen anlegen. Die großen Seerosenbilder, die er dem französischen Staat schenkte, hängen seit 1927 in zwei ovalen Sälen der Orangerie in Paris.

Impressionismus in Deutschland

In Deutschland setzte sich der Impressionismus etwa zwanzig Jahre später durch als in Frankreich und blieb enger mit dem Realismus verbunden. Als wichtigste Vertreter gelten Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt.

Liebermann fing mit dunklen, sozialkritischen Bildern von Netzflickerinnen und Waisenhäusern an. In den 1890er-Jahren wurde seine Palette heller und der Strich freier, und die Gartenbilder, die er ab 1910 am Wannsee malte, sind ohne die französischen Vorbilder kaum denkbar. Als Präsident der Berliner Secession ab 1899 sorgte er außerdem dafür, dass Monet, Manet und Degas in Deutschland ausgestellt und gekauft wurden.

Leicht war das nicht. Hugo von Tschudi, Direktor der Berliner Nationalgalerie, erwarb französische Impressionisten und geriet darüber mit Kaiser Wilhelm II. aneinander, der mit moderner Malerei nichts anfangen konnte. 1909 ging Tschudi nach München.

Was nach dem Impressionismus kam

Als Gruppe war der Impressionismus um 1886 am Ende, seine Wirkung hielt Jahrzehnte an. Die nächste Generation übernahm die hellen Farben und zog daraus sehr unterschiedliche Schlüsse.

Georges Seurat machte aus der optischen Farbmischung eine fast wissenschaftliche Methode und setzte seine Bilder aus winzigen Punkten zusammen. Paul Cézanne suchte hinter dem flüchtigen Eindruck nach festen geometrischen Formen. Vincent van Gogh und Paul Gauguin wollten mit Farbe kein Licht mehr zeigen, sondern Gefühle. Für diese Wege, die kaum etwas gemeinsam haben, prägte der englische Kritiker Roger Fry 1910 den Sammelbegriff Post-Impressionismus.

Von dort ist es nicht weit zum Expressionismus. Der Impressionist nimmt einen Eindruck von außen auf, der Expressionist drückt etwas von innen aus. Auch in der Musik tauchte das Wort auf, Claude Debussy wurde mit seinen schwebenden Klangflächen als Impressionist bezeichnet. Er selbst hielt davon wenig.

So erkennt man ein impressionistisches Bild im Museum

Vor einem Gemälde lässt sich mit ein paar Beobachtungen ziemlich sicher sagen, ob es impressionistisch ist.

  1. Abstand ändern. Aus der Nähe zerfällt das Bild in einzelne Farbstriche, aus drei, vier Metern fügt es sich zusammen. Akademische Malerei bleibt auch von nahem glatt.
  2. Auf die Schatten schauen. Sind sie blau, grün oder violett statt braun und schwarz, spricht viel für den Impressionismus.
  3. Nach dem Wetter fragen. Lassen sich Tageszeit oder Jahreszeit ablesen, Nebel, Mittagssonne, Schnee? Impressionistische Bilder hängen fast immer an einem bestimmten Moment.
  4. Das Motiv prüfen. Zeitgenössisches Leben des 19. Jahrhunderts, Landschaft vor der Haustür, Freizeit, Stadt. Heilige und antike Helden fehlen.
  5. Die Ränder ansehen. Angeschnittene Figuren und Blicke von oben oder schräg von der Seite sind typisch.

Üben lässt sich das auch ohne Reise nach Paris. Das Museum Barberini in Potsdam zeigt eine der größten Sammlungen impressionistischer Landschaften außerhalb Frankreichs, darunter zahlreiche Bilder von Monet. Die Alte Nationalgalerie in Berlin hat Manet, Monet, Renoir und Degas neben den deutschen Impressionisten im Haus. Wer die volle Breite sehen will, kommt am Musée d'Orsay allerdings nicht vorbei.

Häufige Fragen zum Impressionismus

Was ist Impressionismus einfach erklärt? Impressionismus ist eine Malweise aus dem Frankreich des späten 19. Jahrhunderts. Die Maler wollten zeigen, wie ein Ort in einem bestimmten Licht und Moment aussieht. Dafür malten sie oft draußen, mit schnellen, sichtbaren Pinselstrichen und hellen, reinen Farben.

Ist Max Liebermann ein Impressionist? Max Liebermann gilt zusammen mit Lovis Corinth und Max Slevogt als wichtigster Vertreter des deutschen Impressionismus. Seine frühen Werke sind noch realistisch und dunkel. Ab den 1890er-Jahren und besonders in den Wannsee-Bildern ab 1910 malt er deutlich impressionistisch.

Was war vor dem Impressionismus? Direkt vor dem Impressionismus prägte der Realismus die französische Malerei, mit Gustave Courbet als Hauptfigur. Wichtige Vorläufer waren außerdem die Landschaftsmaler der Schule von Barbizon wie Camille Corot, die bereits im Freien skizzierten, und die Engländer William Turner und John Constable.

Was ist der Unterschied zwischen Impressionismus und Expressionismus? Der Impressionismus hält einen äußeren Eindruck fest, vor allem Licht und Atmosphäre. Der Expressionismus, der etwa ab 1905 aufkam, drückt innere Gefühle aus und verformt dafür Farben und Formen mit Absicht. Impressionistische Farben folgen der Natur, expressionistische der Stimmung des Malers.